Ob eine PET-Flasche recycelbar ist, entscheidet sich nicht beim Eintritt ins Werk, sondern am Designtisch. Aus welchem Polymer der Verschluss besteht, wie das Etikett verklebt ist und welche Farbe die Flasche hat — diese drei Entscheidungen bestimmen unmittelbar Reinheit und Farbe des entstehenden Flakes und damit den Markt, in dem er verkauft werden kann.

1. Der Verschluss: richtiges Polymer, saubere Trennung

PET-Flaschenverschlüsse bestehen meist aus HDPE oder PP. Da beide Materialien eine geringere Dichte als PET haben, lassen sie sich in der Schwimm-Sink-Trennung sauber von PET abscheiden. Tests von RecyClass im PET-Flaschenstrom bestätigen, dass kompatible Verschlusslösungen den Recyclingprozess nicht stören.

Der Mechanismus ist schlicht die Dichte. PET sinkt in Wasser mit rund 1,38 g/cm³, während HDPE und PP mit etwa 0,95 und 0,90 aufschwimmen. Nach dem Mahlen erledigt ein Waschbecken die Trennung fast kostenlos. Alles im Verschlusssystem, das nahe an der Dichte von PET liegt, hebelt diesen Schritt aus — deshalb kostet eine Metalleinlage, eine dichte Dichtmasse oder ein mineralgefüllter Ring nachgelagert weit mehr, als er an der Abfüllanlage spart.

Probleme beginnen, wenn das Verschlussmaterial eine PET-ähnliche Dichte hat oder Zusatzkomponenten wie Metalleinlagen oder Originalitätsringe enthält. Dann ist die Trennung unvollständig und der Rückstand bleibt als Verunreinigung im Flake.

Ein gut gestalteter Verschluss ist dagegen kein Abfall, sondern eine zweite Produktlinie. Das auf der Sortierlinie gesammelte Material kehrt als gewaschener HDPE-Verschluss und Polypropylen (PP) in Spritzguss- und Extrusionsanwendungen zurück.

2. Das Etikett: entscheidend ist der Klebstoff

Weniger das Etikett selbst als der Klebstoff, der es an der Flasche hält, verursacht Probleme. In seinem aktualisierten Bewertungsprotokoll für Etiketten und Klebstoffe auf PET-Flaschen definiert RecyClass drei klare Kriterien:

  • Das Etikett muss sich beim Waschen wirksam von der Flasche lösen,
  • Klebstoffreste müssen überwiegend auf dem Etikett bleiben und dürfen nicht in den Flake übergehen,
  • nach dem Ofentest darf am PET-Flake keine Schädigung erkennbar sein.

Die Klebstoffchemie entscheidet über die ersten beiden Punkte. Ein waschablösbarer Klebstoff löst sich im heißen Laugenbad und geht mit dem Etikett ab; ein starker Hotmelt tut das nicht, und was zurückbleibt, verkohlt später in der Schmelze zu braunen Punkten. Dasselbe gilt für das Etikettenmaterial: Papieretiketten verlieren Fasern, die die Wäsche überstehen und im Flake als sichtbare Verunreinigung auftauchen. Auf einer Flasche, die in den Bottle-to-Bottle-Strom soll, ist ein Folienetikett aus einem aufschwimmenden Polymer daher die sicherere Wahl.

Vollflächige Schrumpfsleeves verdienen eigene Aufmerksamkeit. Ein PETG-Sleeve hat eine PET-nahe Dichte, schwimmt also weder ab noch wird er zuverlässig ausgeschleust; er wandert mit dem Flake und zieht die gesamte Charge nach unten. Ein Sleeve aus einem aufschwimmenden Polymer mit Perforationslinie leistet dieselbe Marketingarbeit ohne diesen Nachteil.

Ein Etikett, das diese Kriterien nicht besteht, kann allein den Gelbwert (b-Wert) einer ganzen Charge anheben und das Material aus der Lebensmittelanwendung nehmen. Auch das auf den Sortierlinien gesammelte Etikett-Material wird als eigenes Nebenprodukt in der Recyclingkette verwertet.

Farbig oder transparent? Die dritte Entscheidung

Transparente und hellblaue Flaschen haben den größten Markt, weil sie für jede Anwendung eingefärbt werden können. Eine farbige Flasche mag recycelbar sein, ihr Output ist jedoch begrenzt: Grüner Flake kann nur grüne Produktion speisen.

Farbe ist zudem eine Einbahnstraße. Transparentes Material lässt sich später in jeden Farbton einfärben und hält damit alle Optionen offen; eine grüne oder braune Flasche hat diese Option bereits im Design verbraucht. Das ist der Unterschied zwischen einem Material mit mehreren möglichen Käufern und einem mit kurzer Liste — und er zeigt sich direkt im Preis, den ein Recycler für den Ballen zahlen kann.

Deshalb erzeugt die Sortierung keinen einzigen „recycelten PET”-Output, sondern getrennte Ströme für getrennte Märkte: hochreine PET-Flakes, Mix Flakes für farbunkritische Anwendungen und Grüne Flakes für farbige Produktion.

Was die Sortierung technisch leistet

Im Werk von Doğa Pet in Kırklareli übernehmen sensorbasierte TOMRA-Sortiersysteme diese Trennung. Das Ergebnis: 99,8 % Polymerreinheit, Farbabweichung unter 0,5 %. Die Tageskapazität beträgt 120 Tonnen PET-Flakes und 90 Tonnen rPET-Granulat.

Die Zahlen bedeuten: Wie gut der Sensor auch ist, einen Designfehler im Input kann er nicht vollständig ausgleichen. Hohe Reinheit ist das Produkt aus gut gestalteter Verpackung und guter Sortierung — nicht deren Summe.

Der kommerzielle Preis eines Designfehlers

Diese Entscheidungen wirken wie technische Details, schlagen aber direkt auf die Ausbeute durch. Ein Sleeve-Etikett, das sich nicht löst, oder eine Dichtung hoher Dichte senkt den akzeptablen Anteil des Ballens; mit steigendem Störstoffanteil steht die Linie häufiger still und Waschchemie- sowie Energieverbrauch nehmen zu.

Kritischer noch: Wird die Schwelle zur Lebensmittelzertifizierung verfehlt, rutscht das Material eine Stufe tiefer in Non-Food-Anwendungen. Dieselbe Flasche gelangt je nach Design entweder in die hochwertige Bottle-to-Bottle-Kette oder verbleibt in einem margenschwachen Industriestrom. Der Unterschied wird lange vor dem Haltbarkeitsdatum entschieden — in der Designphase.

Hinzu kommt die regulatorische Seite. Seit Rezyklatquoten in den EU-Verpackungsregeln stehen, zahlt eine Marke, die kein konformes Material beschaffen kann, nicht nur mehr — sie hat ein Compliance-Problem. Verpackungen, die sich sauber trennen lassen, halten dieses Material verfügbar und bezahlbar; die heute getroffenen Designentscheidungen sind genau jene, die die Anforderung von 2030 bedienen werden.

Checkliste für Markeninhaber

  • Haben Verschluss und Ring eine geringere Dichte als PET? (HDPE/PP bevorzugen.)
  • Löst sich das Etikett beim Waschen, bleibt der Klebstoff am Etikett?
  • Ist der Sleeve — falls verwendet — aus einem aufschwimmenden Polymer statt aus PETG?
  • Können Sie transparent oder hellblau verwenden? Farbe verengt den Markt.
  • Direktdruck, metallisierte Folie und vollflächige Sleeves erschweren die Sortierung.
  • Sind Barriereschichten und Additive deklariert, damit der Recycler sie vorab bewerten kann?
  • Fordern Sie chargenbezogene Spezifikationen an — unser Beitrag Wie wird rPET-Qualität gemessen? erläutert die Parameter.

Das Gesamtbild finden Sie in unserem Recyclingprozess und unseren Zertifikaten.

Quellen