Die Nachfrage nach recyceltem PET in Europa ist auf Rekordniveau. Das eigentliche Problem der Lieferkette ist jedoch nicht die Nachfrage: Zwei Branchen bieten auf denselben Ballen. Die Verpackungsseite will lebensmitteltaugliches rPET, die Textilseite sucht kostengünstige Flakes für Fasern. 2026 ist dieser Wettbewerb zur sichtbarsten Bruchlinie des PET-Recyclings geworden.

Der Markt wächst, der Input nicht im gleichen Tempo

Marktstudien zufolge steigt das Volumen an recyceltem PET von 8,22 Millionen Tonnen im Jahr 2025 auf 8,78 Millionen Tonnen im Jahr 2026; für 2031 werden 12,42 Millionen Tonnen erwartet. Der europäische PET-Verpackungsmarkt liegt 2026 bei rund 18,27 Milliarden US-Dollar, mit einem prognostizierten jährlichen Wachstum von etwa 5,8 %.

Entscheidend ist hier nicht die Wachstumsrate, sondern woher der Input kommt. Die Sammelquoten für Post-Consumer-Flaschen reichen je nach Land von über 90 % bis unter 30 %. Während sich die rPET-Nachfrage vervielfacht, wächst der Flaschenstrom also nicht im selben Verhältnis. Die Differenz schlägt unmittelbar auf Preis und Lieferzeit durch.

Auch die Qualität der Sammlung ist ungleich, was Durchschnittswerte verbergen. Ein Land mit ausgereiftem Pfandsystem liefert ganzjährig einen sauberen, gleichmäßigen Strom; ein Land mit Straßensammlung liefert einen gemischten Strom, dessen Qualität mit Jahreszeit und Sortieranlage schwankt. Zwei Ballen gleicher nomineller Herkunft können daher sehr unterschiedliche Ausbeuten tragen — und ein Recycler preist diesen Unterschied ein.

Warum Bottle-to-Bottle vorne liegt

Flaschentaugliches rPET macht heute mengenmäßig 45-55 % des Gesamtverbrauchs aus. Faserqualität bleibt im Bereich von 25-30 %. Geprägt hat dieses Bild vor allem die Regulierung: Die EU hat für PET-Getränkeflaschen Rezyklatanteile von 25 % für 2025 und 30 % für 2030 festgelegt.

Der Unterschied: Für einen Verpackungshersteller ist lebensmitteltaugliches rPET keine Präferenz, sondern eine gesetzliche Pflicht. Ein Faserhersteller arbeitet mit schmalen Margen und ist auf einen günstigen, stabilen Strom angewiesen. Bieten beide auf denselben Ballen, gewinnt die Seite mit der Pflicht den Preiswettbewerb.

Hinzu kommt eine Asymmetrie bei der Überwälzbarkeit. Eine Getränkemarke kann einen höheren Rohstoffpreis über ein Produkt auffangen, bei dem die Verpackung nur einen kleinen Anteil am Regalpreis ausmacht. Ein Faserhersteller in Commodity-Textilketten kann das meist nicht. Diese Asymmetrie — nicht Nachhaltigkeitsrhetorik — entscheidet, wohin ein Ballen geht.

Wird die Faserseite verdrängt?

Nein — aber das Spielfeld verändert sich. Viele Jahre lang war die Faserseite der Hauptabnehmer von Post-Consumer-Flaschen; jetzt rückt sie in der Reihenfolge auf Platz zwei. Die Faserindustrie muss sich Non-Food-Strömen, farbigen Flakes und alternativen Einsatzquellen zuwenden. Das bedeutet mehr Investitionen in Sammlung, Sortierung und Wäsche. Sortierte Produkte wie Mix Flakes für farbunkritische Anwendungen und Grüne Flakes für farbige Produktion füllen genau diese Lücke.

Gleichzeitig öffnen sich zwei weitere Wege. Thermogeformte Schalen und Folienverschnitt werden als eigenständiger Rohstoff entwickelt, und Textil-zu-Textil-Recycling bewegt sich vom Pilotmaßstab in Richtung kommerzieller Mengen. Keiner der beiden ersetzt Flaschenflake zu heutigen Preisen, aber beide verringern die Abhängigkeit der Faserbranche von einem Strom, den sie über den Preis nicht mehr gewinnt.

Was die Preisschere zeigt

Früher folgte der rPET-Preis weitgehend dem von Neu-PET. Diese Kopplung schwächt sich ab. Die Lücke zwischen vorgeschriebenen Rezyklatquoten und verfügbarem Angebot dürfte bei lebensmitteltauglichem rPET mindestens bis 2030 eine strukturelle Prämie erzeugen. Anders gesagt: Food-Grade-Material wird möglicherweise auch dann nicht billiger, wenn die Ölpreise fallen.

Deutschland, Großbritannien, Frankreich und Italien stechen in diesem Bild hervor; ausgereifte Pfandsysteme haben ihnen hohe Sammelquoten verschafft. In Märkten mit schwacher Sammelinfrastruktur wird die Lücke größer. Ergebnis: Ein Hersteller mit Zugang zu sauberem, dokumentiertem Input rückt in eine zunehmend strategische Position.

Wo steht die Türkei in dieser Gleichung?

Die Türkei ist seit Langem einer der rPET-Lieferanten Europas. Der Wettbewerb läuft inzwischen aber nicht mehr allein über den Preis, sondern über Zertifizierung und Konstanz. Eine Marke, die lebensmitteltaugliches rPET sucht, erwartet von ihrem Lieferanten EFSA- und FDA-Konformität, Rückverfolgbarkeitsnachweise und stabile chargenbezogene Spezifikationen.

Das Werk von Doğa Pet in Kırklareli antwortet darauf mit Skalierung: 120 Tonnen PET-Flakes und 90 Tonnen rPET-Granulat pro Tag. Auf den sensorbasierten TOMRA-Sortierlinien wird die Polymerreinheit bei 99,8 % und die Farbabweichung unter 0,5 % gehalten. Auf das Jahr gerechnet sind das über 40.000 Tonnen Flakes und über 24.000 Tonnen Granulat.

Neben der Größe zählt die Nähe. Thrakien grenzt an die EU, was Transitzeiten verkürzt und die Frachtkosten je Tonne im Vergleich zu weiter entfernten Lieferanten niedrig hält — ein praktischer Vorteil, wenn eine Abfülllinie planmäßig nachversorgt werden muss statt mit einer einzigen Großlieferung.

Die praktische Konsequenz für Käufer

  • Früh kontrahieren. Die strukturelle Lücke bei lebensmitteltauglichem rPET dürfte bis 2030 bestehen bleiben; Spot-Einkauf ist riskant.
  • Die richtige Qualität anfragen. Nicht jede Anwendung braucht Food Grade. Für Platten, Umreifungsbänder und industrielle Einsätze senkt rPET Resin NFG die Kosten.
  • Volumen nach Qualität aufteilen. Alles in Food Grade zu kaufen, weil ein Teil des Sortiments es braucht, ist eine verbreitete und teure Gewohnheit.
  • Dokumente von Anfang an verlangen. Bei Lebensmittelkontakt sollte die Dokumentation für Produkte, die EFSA-/FDA-Anforderungen erfüllen — etwa rPET Resin FG und PET-Flakes —, vor Vertragsschluss besprochen werden, nicht nach der Lieferung.

Wie sich Verträge ändern

Die Einkaufsbedingungen passen sich der Knappheit ebenso an wie die Preise. Jahresmengen mit gestaffelten Lieferungen lösen rein opportunistisches Kaufen ab, und indexgebundene Preise werden häufiger genutzt, damit keine Seite auf eine einzelne Zahl zwölf Monate im Voraus wettet. Wo das Angebot wirklich knapp ist, sichern Käufer zudem Kapazität statt Tonnen — einen vereinbarten Anteil an der Linienleistung. Das ist ein anderes Gespräch als eine Spot-Anfrage und eines, mit dem Lieferanten planen können.

Für die Grundlagen: Was ist rPET? und Wie wird rPET-Qualität gemessen?

Quellen