Nachhaltigkeitsberichte sind voller Prozentangaben. Einkaufsverträge nicht — sie rechnen in Tonnen. Es lohnt sich also, die häufigste Aussage über rPET in die Einheit zu übersetzen, die tatsächlich gehandelt wird.

Die Zahl hinter dem Prozentsatz

Ökobilanzen nach ISO 14044 verorten Neuware-PET von der Rohstoffgewinnung bis zur Polymerisation bei rund 2,15 kg CO₂e je Kilogramm. Mechanisch recyceltes PET, gemessen von der Flaschensammlung über Sortierung, Wäsche und Aufbereitung bis zur Granulierung, liegt bei etwa 0,45 kg CO₂e je Kilogramm.

Die Differenz entspricht rund 1,7 kg CO₂e Einsparung je substituiertem Kilogramm — etwa 79 % weniger. Neuere anlagenbezogene Studien melden je nach Strommix und Transportdistanz bis zu 87 %. Die Richtung kehrt sich nie um; nur die Größe des Abstands verschiebt sich.

Hochgerechnet auf die Tonne und das Jahr

Bei 1,7 kg je Kilogramm vermeidet jede durch rPET ersetzte Tonne Neuware rund 1,7 Tonnen CO₂e. Bezogen auf unsere Jahresproduktion von über 24.000 Tonnen Granulat sind das in der Größenordnung 40.000 Tonnen CO₂e jährlich — vorausgesetzt, das Material ersetzt tatsächlich Neuware und wird nicht in eine Anwendung heruntergestuft, die sonst gar kein Polymer eingesetzt hätte.

Dieser Vorbehalt ist wichtig und wird oft übersprungen. Die Einsparung ist eine Substitutions-Einsparung. Sie ist nur real, wenn das Rezyklat Neuware eins zu eins ersetzt — genau deshalb ist Flaschenqualität ebenso eine ökologische wie eine technische Frage und nicht bloß eine kommerzielle Präferenz.

Woher die verbleibenden 0,45 kg stammen

Recycling ist nicht emissionsfrei. Der Restfußabdruck verteilt sich im Wesentlichen auf drei Stellen:

  • Sammlung und Transport — die Kilometer zwischen Sammelstelle und Werk.
  • Wäsche — Heißwaschanlagen mit Lauge sind thermisch intensiv.
  • Extrusion und Festphasen-Nachkondensation — die intrinsische Viskosität wieder auf Flaschenqualität zu bringen, kostet Energie.

Zwei der drei lassen sich über Bauweise und Energieversorgung der Anlage beeinflussen — also über den Teil, den der Recycler steuert.

Was wir dagegen tun

In unserem Werk in Kırklareli laufen zwei Starlinger recoSTAR PET 165 HC iV+ Linien mit 3,6 Tonnen pro Stunde, was rund 28.000 Tonnen Granulat in Flaschenqualität pro Jahr ergibt. Die Wahl moderner SSP-Technik ist selbst eine Emissionsentscheidung: ältere Linien erreichen denselben IV-Zielwert mit deutlich mehr Energie je Tonne.

Auf der Versorgungsseite adressiert unsere Solaranlage in Şanlıurfa Viranşehir den Stromanteil direkt statt über nachträglich gekaufte Kompensationen.

Den Rest erledigt die Inputqualität. Die sensorgestützte TOMRA-Sortierung hält die Polymerreinheit bei 99,8 % und die Farbabweichung unter 0,5 %, was Nacharbeit und Ausschuss reduziert — beides Faktoren, die den Fußabdruck je verkaufsfähiger Tonne still erhöhen. Material, das zweimal gefahren werden muss, trägt doppelte Prozessemissionen. Unser rPET Resin FG und rPET Resin NFG stammen aus diesem Strom, ebenso das direkt an Verarbeiter verkaufte Flake.

Die Zahl ehrlich verwenden

Wer eine Scope-3-Aussage auf Rezyklatanteil stützt, hält sie mit drei Punkten belastbar:

  1. Nutzen Sie lieferantenspezifische Daten. Generische Durchschnitte sind ein Ausgangspunkt, kein Nachweis.
  2. Nennen Sie die Systemgrenze. Cradle-to-Gate und Cradle-to-Grave sind nicht austauschbar.
  3. Nicht doppelt zählen. Flake und Granulat aus demselben Werk sind aufeinanderfolgende Stufen eines Prozesses; ihre Einsparungen zu addieren überzeichnet das Ergebnis.

Das CO₂-Argument für rPET ist stark genug, dass es keine Nachhilfe braucht. Es braucht eine Systemgrenze, eine Quelle und eine Tonnage — dann hält es einer Prüfung stand.

Quellen